Zeitungsartikel, am 23.7.11 in der Landshuter Zeitung abgedruckt

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Deutsche Meisterschaft der Segelflieger: Landshuter Piloten mischen in Spitzengruppe mit

Die Landshuter Segelflieger haben bei der deutschen Meisterschaft im brandenburgischen Lüsse gute Resultate erzielt. Holger Karow schaffte als Dritter sogar den Sprung aufs Stockerl und qualifizierte sich damit für die Europameisterschaft. Aber auch Stefan Lichtmannecker war mit seinem fünften Rang sehr zufrieden.

Bereits zu Ostern bereiteten sich der 45-jährige Karow und der 26-jährige Lichtmannecker in Lüsse, südwestlich vor Berlin, auf die Titelkämpfe vor und erkundeten fliegerisch die Gegend. Aufgrund der sandigen Böden sind die thermischen Bedingungen in Lüsse für eine Meisterschaft besonders gut geeignet. Beide Flieger konnten sich bereits in den beiden Vorjahren für die "Deutsche" qualifizieren. Holger Karow erkämpfte in der Offenen Klasse den dritten Platz. Dafür gab es nicht nur die Bronzemedaille, sondern auch ein Ticket zur Europameisterschaft. Stefan Lichtmannecker erreichte in der 15-Meter-Klasse den fünften Platz. Er ist damit Nachrücker in seiner Klasse für die EM, falls einer der Besserplatzierten ausfallen sollte.

 

In Begleitung von Thomas Hartl, Manfred Ulbert und Dagmar Karow machten sich Karow und Lichtmannecker auf den Weg nach Lüsse. Dort fanden sich 120 weitere Flieger mit ihren Begleitmannschaften ein. Neben den deutschen Segelfliegern waren auch Gäste aus Frankreich, Belgien, Italien, Slowenien und Tschechien dabei, darunter Europameister Louis Bouderlique (Frankreich) und Weltmeister Stefano Ghiorzo aus Italien.

Ballastwasser sorgt für mehr Gewicht und höheres Tempo

Holger Karow flog in der Offenen Klasse. Dabei war nur das Gewicht des Flugzeugs auf maximal 850 Kilogramm begrenzt. Stefan Lichtmannecker ist Pilot in der 15-Meter-Klasse. Das bedeutet, sein Segelflugzeug durfte nicht schwerer als 525 Kilogramm sein - und die Flügel mussten eine Spannweite von 15 Meter haben. Die Piloten betanken ihre Flugzeuge übrigens mit Ballastwasser, um das maximale Abfluggewicht zu erreichen. Ein schwereres Flugzeug kann nämlich mit höherer Geschwindigkeit gleiten. Dies ist ein klarer Vorteil, denn es geht um den schnellsten Flug. Geflogen wurden je nach Wetterbedingungen 200 bis 500 Kilometer Strecke, getragen und bewegt durch Warmluftströmungen.

An den ersten drei Tagen mussten allerdings alle Flieger am Boden bleiben: Das Wetter war zu schlecht. Dann klarte es allmählich auf. Zum Glück regnete es nur mehr in der Nacht und trocknete im Lauf des Vormittags ab. Man konnte sich am Morgen etwas Zeit lassen mit dem Vorbereiten der Flugzeuge. Vor 10 Uhr trafen sich die Piloten zum sogenannten Briefing. Der Sportleiter und ein Meteorologe informierten die Flieger über die Wetterprognose und legten entsprechend der Wetterbedingungen die Flugrouten und Länge der Strecken fest. Um die Mittagszeit gingen die Rennen los. Gemessen wurde, wer die vorgegebene Strecke mit der höchsten Geschwindigkeit bewältigen konnte, dokumentiert wurden die jeweiligen Flüge mit Hilfe von GPS-Geräten.

Die Kunst war dabei, die beste Thermik zu erspüren. Die Bodenmannschaft unterstützte die Flieger über Funk, indem sie über Internet die Sattelitenbilder interpretierte und weitergab. Den beiden Landshuter Piloten blieben Außenlandungen erspart, der Flugplatz Lüsse wurde immer erreicht. So verbuchte Holger Karow am Ende des Wettbewerbs 7 122 Punkte, der Erstplatzierte in seiner Klasse brachte es auf 7548 Zähler. Stefan Lichtmann ecker sammelte 6216 Punkte, der Sieger in seiner Kategorie 6942 Punkte. Gerade für Lichtmannecker war dies ein erfreuliches Ergebnis.

Der Landshuter Segelflugverein ist nach eigenen Angaben "stolz auf unser junges Talent sowie auf den zweifachen Weltmeister Holger Karow, der erst vor kurzem zum Verein stieß". Beide Piloten gäben ihre Erfahrung und ihren Enthusiasmus als ehrenamtliche Fluglehrer weiter an die Flugschüler der Segelflugsportgruppe des LSV Landshut.